[19] Neuigkeit vorsetzen: Jane Malling hat hier in Berlin am 8. März tatsächlich einen Marchese Pragazza geheiratet, natürlich nicht den echten. Die Ehe ist abends vor dem italienischen Generalkonsul geschlossen worden. Das junge Paar bezog dann drei möblierte Zimmer in einem feudalen Pensionat. Am 16. März reiste Jane Malling mit den Filmleuten nach Athen. Ihr Gatte blieb hier. Der Generalkonsul schwört, es sei der echte Pragazza gewesen, den er doch persönlich gut kannte. Der Marchese lachte ihn am Telephon aus, denn nachweislich ist der Legationssekretär erst am 8. März spät abends von seinem Urlaub heimgekehrt, erkrankte dann an Grippe, lag fast zwei Wochen zu Bett, – alles unumstößliche Tatsachen, denn ich habe sogar seinen Arzt angerufen, – – was sagen Sie nun?!“
„Gar nichts!“ –
Als ich Tobias Remmele dann Doktor Lückes Meldung mitteilte, wurde sein Gesicht noch nachdenklicher. „In einer Kriminalgeschichte müßte sich nun die überraschende Tatsache ergeben,“ sagte er mit der feinen Ironie eines klugen Kopfes, „daß Silvio Emanuel einen verschollenen Zwillingsbruder hat oder gar sein Vater einen unehelichen Sohn besaß, der alle Merkmale der Pragazzas erbte, moralisch sank und jetzt den internationalen Schwindler spielt, – der ein hochintelligenter Mensch ist, der seinen bevorzugten Bruder haßt, der mit Arbulos Ahlenzos Beziehungen unterhält, der …“
„Hören Sie auf, Tobias! Solche Fälle sind vorgekommen. Es gibt auch Fälle verblüffender Ähnlichkeit zwischen Menschen, die gar nicht miteinander verwandt sind. Lücke wird natürlich diese Möglichkeiten einer Blutsverwandtschaft[1] zwischen dem Marchese und dem Doppelgänger genau prüfen, Lücke ist einer der besten Kriminalkommissare, Beobachtungsgabe, streng logisches Denken und Phantasie arbeiten bei ihm Hand in Hand,
- ↑ Vorlage: Blutsverwandschaft