[63] Pragazza und ich schauten uns an. Wir lasen gegenseitig in unseren Mienen ein maßloses Erstaunen, wir begannen zu begreifen, – an einen so niederträchtig frechen Streich hatten wir nicht gedacht.
Harst rieb ein Zündholz an. „Natürlich hat der edle Mr. Connawoor drüben zum Schein die Scheidung von Jane eingeleitet, Jane mußte doch der Rücken gedeckt werden, Bigamie ist nun mal strafbar. Ebenso selbstverständlich hat dieser Oberregisseur eines der schwindelhaftesten Banditenstückchen, das je ausgeheckt wurde, fertig gebracht: Arbulos Ahlenzos abzufangen, – hat sich seiner bemächtigt, hat ihn mit in die Berge geschleppt. Das war ja eben der Haupttrick. Um der „Entführung“ einen ernsten Anstrich zu geben, wurde der arme Eseltreiber aufgeknüpft, dann wurde in üblicher Weise die Million Dollar Lösegeld verlangt. Der edle Mister rechnete mit Ihrer Furcht vor einem öffentlichen Skandal und mit dem Einspringen der griechischen und amerikanischen Behörden, was den Rest des Lösegeldes anbetrifft. Daß Sie einen Teil zahlen würden, war ihm klar. Er verrechnete sich nur in einem Punkte: Er wußte nicht, daß Ahlenzos einen Bruder besaß, und der telegraphierte an uns, der mußte natürlich seinerseits auch vorsichtig sein, da sich ja Arbulos in der Gewalt der „Verschleppten“ befand. Man konnte aus alledem eine glänzende Posse machen, – ich fürchte, es wird eine Tragödie werden. Ich telephoniere jetzt Lücke das Nötige, und der wird die griechische Polizei benachrichtigen. Was Sie angeht, lieber Pragazza: Diese ungültige Ehe wäre für Sie ein teurer Spaß geworden, und Ihre diplomatische Laufbahn wird wohl auch erledigt sein. Bewirtschaften Sie Ihre Güter in der Lombardei und ziehen Sie aus alledem die eine Lehre: Daß übertriebenes Ehrgefühl zuweilen sehr schädlich ist und daß Ihr südliches Temperament unweigerlich gedämpft werden muß. – Herr Bankier Bilzschitzki wird der falschen