[16] So sagte Harald einmal:
„Pachnitzki ist eine biedere Haut. Auf seine Eulen bin ich sehr gespannt. Wir werden sie morgen früh beim Rundgang durch das Schloß wohl zu sehen bekommen. Ohne diese Vögel müßte der alte Mann sich hier so allein auch zu Tode langweilen. Er betonte ja, daß er nicht einmal eine Bedienung hielte.“
Ich verstand: Pachnitzki hatte uns nichts von den heimlichen Gästen des Schlosses mitgeteilt, und morgen würden wir eben die Augen gut offen halten, um festzustellen, ob einige der Räume bewohnt gewesen. Daß der Alte diese Leute unseretwegen ausquartiert hatte, war mit Bestimmtheit anzunehmen.
[So][1] wurde es allmählich elf Uhr. Ich war wiederholt [an die Gardine][2] der hohen Bogenfenster getreten und hatte in den verschneiten Park hinabgeschaut. Der Mond stand über den im Frostwinde schwankenden und leise knarrenden uralten Buchen. Ich konnte gerade den Vorplatz des Schlosses überblicken, und zu meiner Freude sah ich ein paar Rehe, die sich aus einer dort aufgestellten Futterraufe sättigten.
Wieder hatte ich, getrieben von einer unbestimmten Unruhe, meinen bequemen Sessel verlassen und war zum Fenster gegangen. Bevor ich aber noch die Vorhänge zurückschlagen konnte – die Hand hatte ich bereits ausgestreckt – ertönte vor der Zimmertür im Flur ein so unheimliches, dumpfes Geschrei, daß ich blitzartig herumfuhr und ganz entgeistert die tief nachgedunkelte, reich geschnitzte Eichentür starr fixierte, als ob sie jeden Moment auffliegen und irgendein Schloßkobold hereinhüpfen müßte.
Dann glitt mein Blick zu Harald hinüber.
Er lächelte gutmütig …
Meinte: „Eine von Pachnitzkis Eulen scheint für nächtliche Spaziergänge zu schwärmen. Sehen wir einmal nach …“
Und er erhob sich, nahm die altväterliche Petroleumlampe