[4] Auch ich hatte das Geräusch eines nahenden Autos vernommen und atmete erleichtert auf. Das Auto hielt vor dem Harstschen Familienhause. Der späte Gast konnte nur Pastor Heyking sein, der uns mitgeteilt hatte, daß er geradeswegs vom Bahnhof uns aufsuchen wollte.
„Vielleicht schaltest du die Außenlampe ein,“ meinte Harald. „Im Vorgarten dürfte man bei dem Schneetreiben nicht die Hand vor Augen sehen können …“
Ich hatte die Flurtür bereits geöffnet. Eisige Luft schlug mir entgegen. Vorhin hatte das Thermometer minus zehn Grad gezeigt, und das ist für Berlin eine immerhin schon ganz nette Kälte.
Ich schaltete also die draußen über der Haustür angebrachte starkkerzige elektrische Birne ein, um dem Ankömmling den Gang durch unseren kleinen verschneiten Vorgarten zu erleichtern. Und als ich nun auch die Haustür aufriegelte und sie ein wenig aufzog, konnte ich durch die Schleier der fallenden weißen Flocken undeutlich den haltenden Kraftwagen und den dicht vermummten Schofför erkennen, der soeben von seinem Vordersitz herabkletterte.
Ich gebe zu, daß die nervöse Spannung, die der Brief des Geistlichen bei mir hervorgerufen hatte, noch immer anhielt. Ich hatte seit sieben Uhr abends (zu dieser Stunde war heute das Eilschreiben eingetroffen) das unbestimmte Gefühl, daß der seltsame Fall, den der Pfarrer uns persönlich vortragen wollte, für Harald und mich recht unliebsame Folgen haben würde. Zuweilen leide ich an derartigen Vorahnungen, über die Harst zwar zumeist seine Glossen macht, ohne dadurch die Tatsache aus der Welt schaffen zu können, daß bereits verschiedentlich die späteren Ereignisse mir recht gegeben haben.
Kurz und gut: ich sah unserem späten Gaste mit recht gemischten Empfindungen entgegen, zumal Harald soeben erst einen Grippeanfall leidlich überstanden hatte, und ich