[53] „Er ist’s, mein Alter … Er besitzt ein untrügliches Kennzeichen, worauf auch in seinem Steckbrief hingewiesen ist: im Genick hat er drei große Karbunkelnarben, die ein Dreieck bilden. Obwohl er nun das Kopfhaar hinten sehr lang und einen sehr hohen Kragen trägt, fielen mir diese Narben vorhin doch auf, als er sich nach seiner Zigarette bückte, – eine große Unvorsichtigkeit von ihm! – Als ich so erst auf die Vermutung gekommen war, daß es Doktor Griping sein könne, rief ich mir das Bild des Steckbriefes ins Gedächtnis zurück. Und obwohl dieser Mensch früher sehr korpulent und jetzt fast abschreckend mager ist, fand ich doch ähnliche Züge heraus. Insbesondere sind Gripings hellgraue, verwaschene Augen mindestens ebenso verräterisch wie die drei Narben. – Er ist’s, und weil er’s ist, müssen wir jetzt außerordentlich auf der Hut sein. Griping kennt kein Erbarmen. Das hat er mehrfach bewiesen. Ihm als Arzt bedeutet ein Mord weniger als dem vertiertesten Lustmörder. – Lege du dich jetzt zu Bett. Ich werde bis vier Uhr morgens wachen. Dann löst du mich ab. Nur so sind wir sicher. Das Licht löschen wir natürlich aus. Ich setze mich in den Sessel an den Ofen und werde mich durch Zigaretten munter halten …“
So begann die zweite ereignisreiche Nacht auf Schloß Lubowitz …
Eine Nacht, die jener nicht viel an aufregenden Momenten nachstand, in der wir die Spiritisten entlarvt hatten.
Ich legte mich nieder, blieb aber für alle Fälle halb angezogen. Den Schrank hatten wir nicht vor die Geheimtür gerückt, um keinerlei Verdacht zu erregen. Die drei Gegner sollten eben harmlos bleiben.
Ich versuchte einzuschlafen – versuchte! Aber ich hörte die mächtige Standuhr unten in der Vorhalle zwölf schlagen, dann ein Viertel eins, dann halb eins …