[14] wirren Reden lediglich eine Störung im Sprachzentrum des Gehirns. Wenn wirklich hier ein kaltblütig berechneter Anschlag auf Mendel vorliegt, so wäre für den Täter selbst der Tod auf dem Scheiterhaufen noch zu mild.“
Ein harter Ausdruck trat in seine Augen. „Herr Harst, verfügen Sie bitte ganz unbeschränkt über mein Geld. Ich bin reich. Meine Freundschaft mit dem um zehn Jahre jüngeren Mendel datiert – um auch das zu erwähnen – von meiner Assistentenzeit in München her, wo ich derselben Verbindung als Alter Herr angehörte, in der Ernst Mendel sich als flotter Bursch damals betätigte.“
Harst, den die klare, kühle Art Haldens wohl ebenso angenehm berührte wie mich (mein ungewisser Verdacht gegen Halden war bereits wieder zerflattert), erklärte, die Geldfrage träte hier vollkommen in den Hintergrund. „Ich werde tun, was ich kann, Herr Doktor. Das habe ich auch bereits Tussi versprochen. Könnten wir Mendel einmal sehen?“
„Gewiß. Nur – Sie werden entsetzt sein, meine Herren! Nun – Ihre Nerven sind ja an Derartiges oder Ähnliches gewöhnt. Bitte – gehen wir … Mendel ist oben im dritten Stockwerk untergebracht.“
Auch die Flure und Treppen, alles mit dicken, leicht zu säubernden Läufern belegt, zeigten die helle, nüchterne Sauberkeit, die mir bereits in Haldens Sprechzimmer aufgefallen war.
Während wir die Treppen schweigend hinanstiegen, begegneten wir nur der walkürenhaften Schwester Anna, die bescheiden beiseite trat und uns vorüberließ.
Vor Zimmer 18 im dritten Stock machte der Doktor halt, zog einen Schlüssel aus der Tasche und öffnete die Außentür. Die innere war nur verriegelt, beide aber gepolstert. Auch dieser Raum, der nur ein Fenster hatte, war hell und überaus nüchtern, enthielt die übliche Einrichtung eines Krankenzimmers eines Sanatoriums, nur daß hier das weiße Bett frei mitten im Zimmer stand. In diesem Zimmer lag ein