[19] vielleicht war er damals gar nicht verreist, als Mendel am Sonntag vormittag verunglückte. Vielleicht rührt diese ungeheure Schurkerei von Halden selbst her, und er sucht nun den Verdacht in sehr vorsichtiger Weise auf den persischen Kollegen zu lenken, der ja auch von Tussi beargwöhnt wird, was ihm sicherlich sehr gelegen kam, diesem Herrn Ferdinand Halden, unter dessen Patienten sich zwei befinden, die sehr auffälligerweise an genau demselben Leiden kranken, das halb Sehstörung, halb Irrsinn zu sein scheint: der Tischlergeselle und die Gräfin! Beide sehen in jeder Person nur immer ihr eigenes Spiegelbild, – ein Krankheitssymptom, das mir vollkommen neu ist, das ich noch in keinem medizinischen Werk aufgeführt gefunden habe und das allem widerspricht, was ich bisher über nervöse – psychische Leiden wußte.“
„Gestatte einen Einwurf,“ meinte ich lebhaft. „Aber welches Interesse sollte Halden daran haben, die Gräfin und den armen Tischler Mielke …“
„… und Ernst Mendel, mein Alter, – der kommt hier genau so in Frage! Ich behaupte, auch Mendel sieht nur immer sich selbst! Denke an die unheimliche Ähnlichkeit im Ausdruck der Augen der Gräfin Sildheim und Mielkes! Wenn Halden ein verruchtes Scheusal ist, der mit einem neuen Teufelszeug von Gift dunkle Zwecke verfolgt, dann hat er vielleicht eben seinem „Freunde“ Mendel eine größere Dosis verabreicht, worauf noch die Lähmung hinzutrat. Fiel dir nicht auf, wie scharf der Uhu im Wartezimmer achtgab, daß die Patienten nicht miteinander sprachen. Und merktest du nicht, daß all diese Patienten vor dem Uhu offenbar Angst hatten? – Nun, Mielke wird uns Rede und Antwort stehen. Halden ahnt nicht, daß du so schlau warst, einen Blick in sein Krankenjournal zu werfen. – Ich glaube, wir sind schon am Ziel. Da ist die alte Dahlemer Kirche, dort das Gutshaus … – Steigen wir aus … Ich bin in der Tat unglaublich gespannt darauf, was Mielke uns mitzuteilen hat …“