[18] tauchte Harald wieder auf. Er öffnete die Tür des Kraftwagens. „Wo wohnt der Mann, mit dem du im Wartezimmer sprachst?“ fragte er.
„Dahlem, Dorfstraße – Tischlergeselle Franz Mielke.“
„Chauffeur, Dahlem, Dorfstraße …“
Er stieg ein, schlug die Tür zu, setzte sich.
„Ich habe Mendels bisheriges Zimmer von morgen ab gemietet, mein Alter … Auf der Treppe begegnete mir Giesebrecht. Er hatte es verdammt eilig. Die Suppe wird trotzdem schon kalt geworden sein, fürchte ich. Ja – er hat sich da wirklich eine nette Suppe eingebrockt, der Uhu …“ Und er lachte ironisch auf …
„Wie … meinst du das?! Suppe eingebrockt?!“
Harst schaute mich an. „Wie denkst du über Halden?“
„Ich?! Hm – ich glaube, daß er …“
„… daß er das stärkste Mißtrauen verdient, wenn er einen Menschen als Diener beschäftigt, an dem nicht mal die rotblaue Geiernase echt ist! Bei Gott, Max Schraut, ich habe selten eine so vorzügliche Maske wie die dieses Uhus gesehen!“
„Der Giesebrecht spielt also eine Doppelrolle,“ sagte ich nur, um wenigstens etwas zu sagen.
„Wie man’s nimmt,“ nickte Harst. „Wohl mehr eine dreifache Rolle … Einmal ist er wohlbestallter Spion bei der Sanitätsrätin. Dann zweitens Diener bei Doktor Halden. Dies beides in der Maske des Uhu. Wie er wirklich aussieht, wie alt er wirklich ist und was er in seiner normalen Gestalt treibt, worin also seine dritte Rolle besteht, das entzieht sich bisher unserer Kenntnis …“
Das dahinrollende Auto wurde so für mich eine Stätte ungeahnter Offenbarungen. – Harald sprach weiter – genau so bedächtig, genau so grüblerisch, jedes Wort überlegend. „Halden und der Uhu sind eng verbündet. Vielleicht hat Halden sogar selbst ein Auge auf Tussi Becker geworfen. Vielleicht ist Halden ein falscher Freund dem Chemiker gegenüber,