[24] Eigennutz diese entsetzlichen Veränderungen im menschlichen Organismus vornimmt, wie du glaubst: welchen Vorteil könnte er etwa durch den Tod Franz Mielkes und den der Gräfin haben?!“
Frau Auguste Harst nickte mir eifrig zu. „Bravo, lieber Schraut … Sie sprechen das aus, was auch mir nicht recht in den Kopf will … – Nun, mein Junge,“ wandte sie sich an ihren Einzigen, „du wirst natürlich diese Frage prompt durch Gegenbeweise aus der Welt schaffen … nicht wahr?“
„Nicht wahr!“ wiederholte Harst mit anderer Betonung. „Nein, es ist nicht wahr, daß ich Gegenbeweise besitze. Aber ich werde sie herbeischaffen. In der kommenden Nacht werden Schraut und ich zunächst dem Herrn Doktor Ferdinand Halden den zweiten großen Schreck einjagen. Den ersten wird ihm Mielkes Brief bereiten, den er heute abend empfängt, und der zweite wird das Verschwinden Ernst Mendels aus dem Sanatorium sein.“
„Du … willst … ihn stehlen?“ rief ich.
„Ja – stehlen ist der richtige Ausdruck, denn es handelt sich ja um einen halben Leichnam. Ich wette, daß, wenn Mendel einige Zeit Halden entzogen wird und … keine Spritzen mehr bekommen kann, das Krankheitsbild sich rasch ändern wird. Ich habe mir das Zimmer genau gemerkt, in dem Mendel untergebracht ist. Es ist das dritte im obersten Stock nach Westen zu, auch das dritte Fenster, denn diese Zimmer dort oben sind sämtlich einfenstrig. Uns wird es nicht weiter schwer fallen, Mendel unbemerkt verschwinden zu lassen und hier zu uns zu schaffen. Bisher ist Halden bestimmt ohne jeden Argwohn gegen uns. Dafür habe ich eine sehr feine Nase, ob jemand uns mißtraut. Mithin wird die Bewachung des Sanatoriums nicht strenger und schärfer als sonst sein. Da ferner das Barometer rasch sinkt, ist nach diesem heißen Tage nachts mit Regen und Gewitter zu rechnen, – und schließlich: Schraut und Harst werden’s doch wohl noch fertigbringen, einen Menschen ungesehen