[23] Tischler Mielkes unvorhergesehener Sturz in die Tiefe und die Spritze in den Unterarm … Halden ist ein Schurke. Hinter seinen stillen, versonnenen, intelligenten Zügen verbirgt sich in Wahrheit ein teuflischer Dämon. Drei seiner Opfer kennen wir: Mendel, Mielke und die Gräfin Sildheim. Wieviel andere er außerdem noch auf dem Gewissen hat, entzieht sich vorläufig unserer Kenntnis. – Nun die Hauptfrage: Weshalb begeht Halden diese empörenden Scheußlichkeiten, welches Motiv liegt seinem verbrecherischen Treiben zu Grunde? Nur bei Mendel haben wir hinsichtlich dieses Motivs einen Anhaltspunkt: Eifersucht, Nebenbuhlerschaft! Bei Mielke und der Gräfin fehlt jeder Hinweis, jeder. Gewiß, man könnte annehmen, Halden sei einer von krankhaftem Forscherdrang besessenen Medizinern, denen ein Menschenleben als ein Nichts gilt. Doch das glaube ich nicht. Diesen Eindruck macht er nicht auf mich. Nein, ich beurteile ihn ganz anders. Seine übertriebene Eleganz, seine tadellos gepflegten Hände mit den tadellos manikürten Nägeln, der leichte Parfümgeruch, – kurz: eine ganze Anzahl geringer Kennzeichen deuten darauf hin, daß Halden wahrscheinlich ein Lebemann ist, der Unsummen verschwendet, vielleicht auch spielt oder andere Passionen hat. Er soll reich sein. Soll … Er soll aus seiner Praxis und seinem Sanatorium erhebliche Einnahmen haben. Daran zweifle ich nicht. Und doch: dieser Mensch ist geldgierig wie ein Geizhals, ist ein Verbrecher aus Eigennutz. Dabei bleibe ich. Und deshalb wollen wir auch, was Mendels Person angeht, das Motiv Eifersucht besser streichen und vorläufig die Vermutung aufstellen, daß Halden seinen „Freund und Verbindungsbruder“ aus dem Wege räumen will, weil der Chemiker vielleicht jenes Narkotikum, an dessen Erzeugung er arbeitete, wirklich bereits erfunden hat und weil Halden nach Mendels Tod damit ein glänzendes Geschäft machen will …“
Jetzt konnte ich nicht länger schweigen …
„Gestatte einen Einwurf, Harald. Wenn Halden aus