[11] die Hand. Dann schnupperte er auffällig. „Hm – das Parfüm kenne ich ..!“
Allerdings hatte der „Herr Marchese“ eine sehr starke Duftwolke zurückgelassen.
„… Einer meiner besten Kunden, lieber Herr Schraut … Feinste Nummer, so was wie ein Fürst, Italiener … Hat letztens noch zwei Ringe gekauft … Wohl zu ’ner Spritztour mit irgendeiner Saisongattin. Marchese Pragazza aus der Parkstraße …“
Ich drückte Tobias Remmele in einen Sessel.
„Wissen Sie auch,“ sagte ich kummervoll, „daß Sie meinem Selbstgefühl soeben einen weit ärgeren Stoß versetzt haben als der falsche Marchese?! Tobias, Tobias, beschreiben Sie mir den Saisongatten. Und gnade Ihnen Gott, wenn die Beschreibung so ausfällt, daß ich mich dann gar nicht mehr in diesen verrückten Dingen zurechtfinde!“
Remmele schielte ängstlich nach der Tür. „Lieber bester Herr Schraut, in Zehlendorf gibt es ein wunderschönes Sanatorium für solche Leute …“ Dann wollte der Feigling flüchten. Zum Glück trägt er stets Schwalbenschwanzröcke, ich erwischte einen Zipfel, und Remmele wurde bleich. „Schon gut … schon gut, – also dunkle melancholische Augen, römische vornehme Nase, kleines schwarzes Bärtchen, etwas dicke Lippen, energisches Kinn, schlank, elegant, sehr schmale Hände, sehr gemessen-weltmännisches Auftreten, leidliches Deutsch und …“
Ich starrte Tobias entsetzt an.
„Er war’s!“ keuchte ich nur … „Er war’s!! Ich muß unbedingt …“
… Draußen schrillte schon wieder die Flurglocke. – Mathilde, Köchin und Zofe und Diener in eins, lag längst in den Federn.
Ich ging also abermals öffnen.
Vor mir stand … der Marchese Silvio Emanuel