[13] zu zweifeln. Anderseits war die Ähnlichkeit zwischen ihm und seinem Doppelgänger von vorhin so außerordentlich groß, daß es ausgeschlossen erschien, ein Gauner konnte sich, gestützt auf eine entfernte Gleichheit der Gesichtszüge und der Gestalt, hier bei uns als Marchese Pragazza Zutritt verschafft haben. Allerdings: Ein Unterschied bestand doch, und zwar in der Stimme. Der jetzige Besucher Pragazza hatte einen weichen, angenehmen Bariton, während die Stimme des anderen heller, schärfer, schriller geklungen hatte.
Der Marchese lächelte mich amüsiert an.
„Zweifeln Sie noch, Herr Schraut?!“ meinte er harmlos. „Meine Tante Mafalda, die mir den Haushalt führt, sowie mein Kammerdiener Aristide können jederzeit bestätigen, daß ich die Depesche erhielt, daß ein Herr sie mir wieder abnahm, eben der falsche Kommissar, – meine Klubfreunde können Ihnen ferner …“
Ich winkte verlegen ab. „Nein, ich zweifele durchaus nicht, Herr Marchese. Wie sollte ich auch?! Ich bin nur bestürzt über die Frechheit dieses Fremden, der nicht nur Ihre Person, Ihre Eigenart, Ihre Kleidung so trefflich kopiert hat und der – das ist der Hauptpunkt – zwei Telegramme an sich brachte, die doch bestimmt mit der Entführung Miß Mallings irgendwie zusammenhängen.“
Tobias Remmele äußerte seinerseits mit Nachdruck: „Auch ich kann als Zeuge für Sie auftreten, Herr Marchese. Ich kenne Sie bereits fünf Monate. Ich kenne auch Ihren älteren Diener Guiseppe, der …“
Pragazza hob plötzlich die Hand. Seine Miene verriet Schreck und Verwirrung.
„Sie erinnern mich rechtzeitig an den braven Guiseppe, Herr Remmele. Das Tollste bei der Geschichte ist, daß Guiseppe tatsächlich vor drei Wochen Urlaub nahm um seine Verwandten in Italien zu besuchen.