[15] Auslande Blick und Sinn geweitet haben und den Dingen des Lebens mit offenen, kritischen, klugen Augen gegenüberstehen. – Sein Äußeres ist das eines Gelehrten, der auf Kleidung und Körperpflege sehr viel gibt, sein etwas blasses Gesicht mit dem leicht ergrauten Schnurrbart, den hellen Augen hinter blanken Kneifergläsern und der winzigen Nase zeigt stets einen liebenswürdig-nachdenklichen Ausdruck. Er ist kein Original, er will es auch nicht sein, er hat seine Eigenheiten wie alle Junggesellen. Rührend ist seine Fürsorge und Liebe für die Tochter seines verstorbenen Bruders, die ihm die kleine Wohnung in Ordnung hält, vorzüglich kocht, ihn im Geschäft vertritt und dabei durchaus kein hausmütterliches Schattenpflanzchen genannt werden kann. Ihr pikantes Gesichtchen, ihre bescheidene, geschmackvolle Kleidung, ein natürlicher Liebreiz haben schon so manches Männerauge angezogen, aber Isolde Remmele mag wählerisch sein. Außerdem: Was sollte wohl auch der Onkel Tobias ohne sie anfangen?! Er hat sie großgezogen, er hat ihr eine Erziehung angedeihen lassen, die vielleicht über den Rahmen seiner Verhältnisse hinausgeht. Ich vermute, daß Remmele weit wohlhabender ist, als er vorgibt. Sein Uhren- und Goldwarengeschäft erscheint mir stets mehr als Kulisse, vor der ein alter Gehilfe, eine treue Seele, den Eindruck respektabler Ehrbarkeit noch erhöht. Niemals sah ich Tobias mit einer eingeklemmten Lupe am Arbeitstisch über das feine Räderwerk einer Uhr gebeugt. Er lebt sein Leben in inniger Gemeinschaft mit der Natur, er geht viel spazieren, er kennt die Wälder um Berlin wie seine Westentasche, er kennt jedes Stadtviertel, jeden Vorort, jede Straßenbahnlinie, sein Begleiter ist sein graubrauner Hund Ajax, eine sehr gelungene Mischung zwischen Riesenpintscher und Wolfspitz.
Das ist also Tobias nebst Anhang.