[28] ein Verdacht aufgekeimt, Lucretia konnte doch heimlich einen Liebhaber gehabt haben und mit ihm auf und davon gegangen sein. Ich kaufte dann das Geschäft in der Berkaer Straße, der alte Marchese starb, ich wechselte noch einige Briefe mit seinem Sohne, ich war den Pragazzas ja zu großem Dank verpflichtet, – und wieder nach Jahren, eben vor fünf Monaten, betrat der junge Marchese meinen Laden und begrüßte mich mit aller Herzlichkeit. – Dies ist in kurzem die Geschichte meines verpfuschten Daseins, lieber Schraut. Sie wissen nun, weshalb der Marchese so häufig mich besucht, – wir sind ja alte Bekannte, er war damals ein Knabe freilich, aber sein Interesse für mich ist das gleiche, das mir sein Vater entgegenbrachte.“
Er schwieg, – wir waren unten an der steilen Böschung angelangt, – links oben lag die Laubenkolonie und August Muffelbergs Grundstück, die Schuhmacherei. Ich stand mit dem Rücken nach dem Monde hin, – Tobias stand im vollen Licht. Ich sagte nachdrücklich: „Tobias, Ihre Geschichte ist ein Sieb, nur ein Sieb. Ich wette, Sie haben jetzt doch eine Spur von Ihrer Frau gefunden. Ist es so?!“
Er schaute zu Boden. „Nein, es ist nicht so … Ich habe jedoch etwas sehr Seltsames herausgefunden, also doch etwas gefunden. Der Mann, der sich hier August Muffelberg nennt, ist … der Hausmeister aus dem Palazzo Pragazza.“
Er blickte mich an. „Er ist’s bestimmt, Schraut … Und er spielt hier nur den Krüppel. Es ist ein geborener Schweizer. Alex Staubacher heißt er … Er mag etwa sechzig sein, – – er läßt sich nie blicken, ein halbtauber Geselle sitzt in seiner Werkstatt dort oben und – – tut nichts. Ein Zufall ließ mich eines abends vor einem Monat Staubacher erkennen, als ich droben den schmalen