[51] „Signora, wer sind Sie?! Vertrauen Sie sich uns doch an. Wenn Sie irgendwo Verständnis und Nachsicht finden, ist es hier bei uns. Meines Freundes Herzensgüte ist bekannt. Harst hat seine Schwächen wie alle Menschen mit lebhafter Phantasie. Aber er ist seelengut, glauben Sie mir.“ Ich wollte an ihr Frauenherz rühren. „Unser Heim ist Oase deutscher Behaglichkeit, deutschen Familienlebens … Hier in diesem Zimmer, Signora, hat sich schon so manche Frau in diesem zarten Odem reiner Menschenliebe die Last von ihrer Seele geredet und – es nie bereut. Hier fanden Entgleiste den richtigen Weg, hier saßen Zusammengebrochene und schieden innerlich und äußerlich gestärkt und hoffnungsfroh. Ich selbst bin hier ja nur zumeist stiller Zuschauer. Ich bin nicht Harst, mir fehlt die starke Linie der Persönlichkeit. Sprechen Sie, eröffnen Sie Ihr Herz, – enthüllen Sie das Geheimnis Ihrer Persönlichkeit.“
Sie hob müde den Kopf. Ein zaghaftes Schluchzen, ein Zaudern, dann streifte sie den Schleier empor und zeigte mir ihr Antlitz.
Es war ein Gesicht von wunderbarer Regelmäßigkeit, von einer ergreifenden Elfenbeinblässe. Traurige, große dunkle Augen schauten mich unter langen Wimpern an. Leid, Seelenschmerz gaben diesen Zügen etwas Madonnenhaftes. Sie war nicht mehr jung, aber das weiße Haar war nur gebleicht durch die Qualen tiefen Wehs, nicht durch das Alter. Sie mochte vierzig Jahre zählen, schätzte ich.
In hartem, fremdklingendem Deutsch sagte sie wehmütig:
„Ich bin Tobias Remmeles Frau.“
Harst war leise eingetreten und hatte die Worte noch vernommen.
Er ging zu ihr, rückte einen Sessel nieder und setzte