[20] Schuhmacher sich hatte überwinden müssen, diese Antwort zu geben.
„Weshalb fürchteten Sie sich denn so sehr vor … Einbrechern, Herr Rehbein?“ – Harsts starre Augen hielten den Buckligen wieder völlig in Bann. Rehbeins Benehmen war jetzt abermals von der Höhe selbstbewußter Energie hinabgesunken zu scheuer Ängstlichkeit und Verlegenheit. Ja – es war ein recht rätselhaftes Gewächs dieser kleine Alte, dem der schmutzig-weiße Schnurrbart traurig um die Mundwinkel herabhing.
Rehbein suchte eine Weile nach einer glaubhaften Ausrede. Man sah ihm geradezu an, daß er sein Hirn nach einer schlauen Lüge zerwühlte.
Dann – hastig hervorgestoßen:
„Wogitsch und ich waren alt und hilflos … In der heutigen Zeit muß man sich sehr in acht nehmen. Die Unsicherheit ist so groß …“
Harald lachte ironisch. „Mein lieber Herr Rehbein, was Sie mir verschweigen, werden Sie der Kriminalpolizei wohl mitteilen müssen!“
Der Schuster schaute zu Boden, schwieg.
„Schraut,“ wandte Harst sich mir zu, „begleite jetzt Herrn Rehbein zum nächsten Polizeirevier, melde das Nötige und …“
Er warf mir einen Blick zu, den ich sofort verstand …
„… und bringe Herrn Rehbein wieder mit.“
Ich verstand: ich sollte den Buckligen nicht aus den Augen lassen! Harald fürchtete, er könnte zu entwischen versuchen! –
Rehbein ging wortlos vor mir die Treppen hinab.
Unten im Hausflur schloß er die Tür auf.
Ich trat als erster auf das stille Gäßchen hinaus. Ich glaubte sehr schlau zu handeln.
Aber – der Bucklige war noch schlauer.
Plötzlich erhielt ich einen Fußtritt gegen das rechte Knie, daß ich wie ein Ball auf den Fahrdamm flog.