[29]
Eine Stunde später … Ein Uhr morgens am 10. März 1923.
Zwei wenig vertrauenerweckend aussehende Männer, etwa besserer Kaschemmentyp, stehen im Dunkel einer Türnische dem Häuschen Brückengang Nr. 6 gegenüber.
Die Fenster von Nr. 6 sind sämtlich dunkel. Nichts deutet mehr darauf hin, daß in dem alten Gebäude vor kurzem ein Verbrechen verübt ist, über das Harald mir gegenüber sich bisher nur ganz allgemein geäußert hatte …
Und – ich bin einer der Kaschemmenbrüder …
Harald der andere …
Unsere Masken sind so echt, daß jeder anständige Mensch einen weiten Bogen um uns gemacht hätte. – So sind wir. Vor einer Stunde noch der raffinierte Luxus der Harstschen Bibliothek. Jetzt … zerrissene Schuhe, Gummikragen mit roten Schlipsen auf schmierigen Wollhemden …
Harst flüstert: „Nicht so einfach, hineinzugelangen. Die Polizei hat noch außen ein Schloß vor die Tür gelegt …“
Und nach kurzer Pause: „Aber die Regenrinne dort rechts ist neu … Versuchen wir’s.“
Er schiebt den Kopf vor, schaut nach rechts die Gasse hinab, nach links …
Und gleitet über die Straße …
Schwingt sich empor …
Nur er ist Turner, Jongleur, Kunstschütze. Er ist alles. Er ist der Mann der modernen Zeit. –