[46] bummelte ich durch die Straßen, schlug die Zeit mühsam tot und langweilte mich sträflich.
Was mochte Harald hier treiben? Ich hoffte bestimmt, daß er sich um neun Uhr abends auf der Alsterbrücke einfinden würde. Ich – hatte umsonst gehofft. Ich stand mit den beiden Koffern mitten auf der Brücke an einer Straßenbahnhaltestelle. Um einviertel zehn kam ein geschlossenes Auto, hielt an der Bordschwelle, und der Chauffeur rief mir mit Barrings Stimme zu, daß ich einsteigen solle.
Im Auto saßen zwei Herren, die höflich die Hüte zogen. Es waren dieselben Leute, die uns Brückengang Nr. 6 mit den Luftpistolen bedroht hatten. Während der etwa einstündigen Fahrt unterhielten wir uns über allerlei – ganz wie in einem Salon, wie Zufallsbekannte.
Das Auto setzte uns am Ufer der Elbe an einsamer Stelle ab. Ein Boot nahm uns auf und brachte uns zu einer großen, weißen Dampfjacht, die im Strome vor Anker lag. Barring kam nicht mit an Bord. Erst als wir drei dann die elegante Kajüte betreten hatten, stellten die beiden Herren sich vor:
„Doktor Lorenzen und Magnus Holster.“
Holster führte mich in meine Kabine und bat mich, zum Souper Toilette zu machen. Der Steward würde mich rufen.
All das war reichlich sonderbar. – Ich zog den Smoking an. Kaum war ich fertig, als es auch schon klopfte.
Nicht der Steward, sondern Lionel Barring im Frack und Lackschuhen, eine Tuberose[Anm. 1] im Knopfloch, das Monokel im Auge, trat ein, verbeugte sich und sagte sehr höflich:
„Zu meinem Bedauern muß ich Ihnen mitteilen, Herr Schraut, daß Herrn Harsts Brief, den Sie mir in meine Kabine gelegt haben, mich durchaus nicht befriedigt …“
Ich wollte ihn unterbrechen. Ich hatte ja weder einen Brief, noch sonst etwas in Barrings Kabine gebracht, die ich gar nicht kannte. Aber eine innere Stimme gebot mir zu schweigen.