[47] „Sie kennen den Inhalt des Briefes?“ hatte Barring nach kurzer Pause hinzugefügt.
„Nein,“ erklärte ich der Wahrheit gemäß.
„Das ist merkwürdig. Harst schreibt mir, daß er sein Versprechen, die Reise mitzumachen, unbedingt halten wird, falls ihn nicht gerade Krankheit oder Gewalt daran hindern. Er ist nicht auf der Alsterbrücke erschienen.“
„Ich habe ihn ebenfalls seit gestern früh nicht gesehen,“ warf ich ein.
Barring war überrascht. „Das ändert die Sachlage, Herr Schraut. Ich wollte Sie hier als … Gefangenen behandeln. Nun, Ihr Freund scheint dann eben tatsächlich verhindert zu sein. Trotzdem bleiben Sie an Bord. – Bitte, folgen Sie mir …“ –
Man stelle sich vor: ein steckbrieflich verfolgter Verbrecher geleitete mich, äußerlich völlig Gentleman, in die Hauptkajüte, wo eine Tafel für vierzehn Personen mit Geschmack und verheißungsvollen Flaschenbatterien gedeckt war. Ich wurde vier Damen, die Gesellschaftsroben und sehr viel Schmuck trugen, und acht Herren vorgestellt. Zwei davon kannte ich schon. Es waren Doktor Lorenzen und Magnus Holster.
Einen der Herren – sie waren sämtlich im Frack – bezeichnete Barring als den Besitzer der Jacht Amanda und als den liebenswürdigen und freigebigen Träger der gesamten Kosten dieser Seereise.
Gustav Krause hieß dieser dicke Herr, der mir nun vertraulich die Hand reichte und meinte:
„Anjenehm, Ihnen kennen zu lernen, Herr Schraut. Schade, daß Herr Harst sich verhindert hat. Der Herzog …“ – er machte vor Barring eine Art Kratzfuß vor Ehrerbietung – „ist ebenfalls untreestlich. – So, nu an die Jewehre, meine Herrschaftens … Platzen wir!“
Er setzte sich. Rechts von ihm saß der Herr Herzog von Albemarle …
So nannte Barring sich hier.