[60] buckligen Schuster hier stark verändert wiederfinden.“
„Der … der weiße Sultan von Padagoa?“ fragte ich geradezu starr vor Staunen.
Harald schwieg und beobachtete das Leben und Treiben ringsum. –
Dann der Serpentinenweg den Berg hinan …
Dann der Batta in Uniform, der zuerst uns beide über Marmortreppen und Flure, die mit kostbaren Teppichen belegt waren, in einen europäisch eingerichteten Saal führte, in dem an der einen Schmalseite ein großer Diplomatenschreibtisch stand. An diesem Tische saß ein bartloser Mann mit leicht gebräuntem Gesicht in weißem Flanellanzug. – Der Batta verbeugte sich tief vor diesem vielleicht sechzigjährigen Europäer und ging dann hinaus.
Auch wir hatten uns verneigt. Wir ahnten: es war der weiße Sultan!
Er erhob sich, kam um den Tisch herum und streckte erst Harald die Hand hin, sagte auf Deutsch: „Ich heiße Sie beide herzlich willkommen, Landsmann!“ Dann gab er auch mir die Hand. Es war … Emil Rehbein, der Flickschuster aus Brückengang 6.
„Nehmen Sie bitte Platz, meine Herren,“ fügte er nun hinzu und deutete auf ein Ecksofa. „Ich bin Ihnen einige Erklärungen schuldig, muß Sie, Herr Harst, auch des hinterlistigen Hiebes wegen um Entschuldigung bitten. – Wir Gebrüder Rastein haben vom sechzehnten Lebensjahre an ein sehr abenteuerliches Leben geführt. Wir waren Zwillinge. Mit zweiundzwanzig Jahren schlossen wir uns hier in den Gewässern der Sunda-Inseln einer Piratenbande an. Wir gerieten zwei Jahre später in die Gewalt des Sultans von Padagoa. Dessen einzige Tochter aber verliebte sich in meinen Bruder Ernst. Er wurde ihr Gatte und erwarb sich so großes Ansehen unter diesen harmlosen Battas, daß man ihn nach dem Tode des alten Sultans zu dessen Nachfolger ernannte. Auch ich war hier sehr beliebt. Wir schlossen günstige Verträge mit den Holländern,