[8] Die letzte Strecke wollten wir zu Fuß gehen. Harald machte hier den Führer. Er kennt Berlin wie seine Westentasche.
Wieder kamen wir über eine schmale, alte, schlecht beleuchtete Holzbrücke – mehr ein Fußgängerbrücklein.
Dann der Brückengang. Am Hause links ein Warnungsschild „Einfahren verboten!“
Allerdings – hier in diesem Gäßchen mit dem kaum meterbreiten Bürgersteig konnten zwei Wagen einander nicht ausweichen.
Alt-Berlin …
Ja – das älteste Berlin umgab uns hier: Häuschen mit winzigen Fenstern und Türen, mit Dächern von den wunderlichsten Formen …
Totenstill war’s in dem Gäßchen.
Unheimlich still …
So, als müßten jeden Augenblick aus den uralten verwitterten Haustüren Männer in der Tracht aus den Zeiten des alten Fritz heraustreten und uns mit klappernden Skelettkiefern und mit einer Geste fleischloser Skeletthände begrüßen.
Nur ein Hund, ein gelbes, langhaariges Zufallsprodukt der Liebe eines Pudels und eines Teckels, stand versonnen mitten auf dem holprigen Fahrdamm und schien auf jemand zu warten.
Auch wir warteten vor Nr. 6, schlenderten auf und ab und beschauten uns immer wieder das engbrüstige, zweistöckige Häuschen, dessen Erdgeschoßfenster kaum ein Viertel Meter über dem Boden lagen und durch Holzladen von außen gesichert waren, – nur zwei Fensterlein, daneben die Haustür. Durch die Spalten der Laden drang Lichtschein und ein dumpfes Klopfen. Ein Blechschild über der Tür verhieß allen kranken Stiefeln baldige Heilung durch Schuhmachermeister Emil Rehbein.
Der Hund wartete und wir warteten.
Es wurde später und später. Der Hund gab das Warten