[11] und ebenso elegante Badeschuhe anhatte. Daß sie soeben dem Wannenbade entstiegen und auch ohne Rücksicht auf ihr prächtiges kastanienbraunes Haar geduscht hatte, bewiesen die nassen Haarsträhnen, die ihr bleiches, verzerrtes und geradezu entstelltes Gesicht wie ein wirres dunkles Netz halb verhüllten. Sie warf mit der Linken die Tür ins Schloß. In der Rechten hielt sie einen eisernen großen Hammer, wie ihn die Zimmerleute benutzen.
Wir beide waren emporgefahren. Der ganze Eindruck dieser Unglücklichen, der der Wahnsinn aus den irrlichternden Augen leuchtete, war so schreckeinflößend, daß selbst Harst aus Vorsicht hinter den Schreibtisch trat.
Die Frau, die ich anfangs Dreißig schätzte und die in gesunden Tagen sicherlich sehr schön gewesen sein mußte, stand jetzt vornübergebeugt still, warf mit ruckartiger Kopfbewegung das feuchte Haar aus dem Gesicht und stierte erst Harst und dann mich mit einem merkwürdig verzweifelten Blick an. „Wer sind Sie?“ rief sie mir kreischend zu. „Sind Sie der Satan Doktor Halden?“
Diese Frage, diese Ungewißheit darüber, wen sie vor sich hatte, erinnerte mich unwillkürlich an meinen Nachbar aus dem Wartezimmer, der behauptet hatte, er sehe nur immer sich selbst.
„Doktor Halden ist nicht hier,“ erwiderte Harald statt meiner. „Wir sind zum ersten Male hier – als Patienten … Ist denn Ihre Sehkraft getrübt?“
Die Frau im Bademantel stieß ein entsetzliches Lachen aus. „Getrübt – – Sehkraft?! Nein – ich sehe alles, alles … Nur … Personen sehe ich nicht … Ich sehe Sie, aber immer nur … mich, mich! – Wo ist Halden? Wo ist dieser Schurke? Oder nein – ich flehe Sie an: helfen Sie mir hinaus aus dieser Hölle …“ Sie sagte das alles mit jener krankhaften Hast und Zungengeläufigkeit, die so vielen Irren eigen ist. Sie schnabberte, verschluckte halbe Worte, gab sich aber offenbar die größte Mühe, sich zu beherrschen.