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Page:Doktor Haldens Patient.djvu/12

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[12] „… aus dieser Hölle … hinaus – haben Sie Erbarmen mit mir! Ich bin die Gräfin Sildheim aus Dresden – ich bin reich, ich bin ein Opfer der schamlosen Intrigen meiner Verwandten … Helfen Sie mir … ehe es zu spät ist … Dies hier ist ein Haus des Grauens … Mein Gott – so antworten Sie doch! Wer sind Sie? Mann und Frau? Ich … ich sehe ja nur zweimal mich selbst im Bademantel wie in zwei großen Spiegeln – immer nur mich selbst, wen ich auch vor mir habe … Ich flehe Sie an: reden Sie … Barmherziger Gott … – Sie ahnen nicht, was dieser entsetzliche gleißnerische Halden aus mir gemacht …“

Die lautlose Tür nach dem Wartezimmer war aufgegangen … Halden und eine Krankenschwester von wahrhaft walkürenhafter Gestalt hatten die Kranke blitzschnell gepackt, ihr eine Decke über den Kopf geworfen und zerrten sie hinaus. Dann schlug die Tür wieder zu.

Mir standen Eisperlen auf der Stirn, und als ich Harald anschaute, waren auch seine Wangen etwas bleich, und in seinen Augen ein Ausdruck schreckvollen Mitleids.

Aber trotz der beklemmenden, verwirrenden und die Gedanken aufscheuchenden Wirkungen dieser widerwärtigen Szene hatte ich doch noch genug Geistesgegenwart, rasch an den Schreibtisch heranzutreten und mich über das aufgeschlagen daliegende Krankenjournal Haldens zu beugen. Ich überflog die Rubrik des heutigen Tages. Alle Patienten dieses Vormittags waren verzeichnet. Der, auf den es mir ankam, konnte nur

Mielke, Franz, Tischlergeselle, Dahlem, Dorfstraße

sein. Dann trat ich ebenso rasch wieder hinter den Höhensonneapparat zurück.

„Gut so!“ flüsterte Harald und nickte mir zu.

Da erschien auch schon Halden, setzte sich mit einem Seufzer in seinen Schreibsessel und trocknete sich mit seinem Seidentüchlein die feuchte Stirn. „Ein schwerer Beruf, meine Herren … Es tut mir unendlich leid, daß Sie dies hier mit