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Page:Doktor Haldens Patient.djvu/3

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[3] „Wie heißt dieses Ekel denn?“

„Doktor Kamir Nussra, ein Perser, Arzt bei der hiesigen Persischen Gesandtschaft, Herr Harst … Aber er sieht äußerlich gar nicht wie ein Asiate aus und geht immer tipptopp gekleidet, hat zwanzig Anzüge und drei wundervolle Brillantringe und …“

„Sie argwöhnen, daß Kamir Nussra etwa aus Eifersucht Ihrem heimlich Verlobten einen bösen Streich gespielt hat und daß diese unerklärliche Vergiftung Mendels sein Werk sei? Haben Sie Beweise gegen ihn?“

„Nicht die geringsten und dennoch die stärksten,“ erwiderte sie seltsam reif und eindrucksvoll. „Die stärksten, Herr Harst: die Stimme meines Innern!“

Harald schüttelte sanft den Kopf. „Diese Stimme trügt sehr oft, Fräulein Tussi, besonders in Ihrem Alter. Es gehört schon sehr viel Lebenserfahrung dazu, die unrichtigen Einflüsterungen, die aus unserem Unterbewußtsein kommen und die mehr instinktives Fühlen sind, genau zu sieben, eben Spreu vom Weizen zu trennen. – Hat der Perser Ihnen denn den Hof gemacht und etwa irgendwelche Abneigung gegen Ernst Mendel verraten?“

„Natürlich hat er mir den Hof gemacht – und ob! Aber Abneigung gegen Ernst – nein, im Gegenteil! Kamir Nussra und mein Verlobter waren sogar befreundet,“ fügte sie sehr bestimmt hinzu. „Dies zu zeigen, wäre Nussra auch viel zu schlau gewesen. O – Sie kennen ihn nicht, Herr Harst. Er ist wirklich ein Schleicher und Heimtücker … Nur er kann …“

„Halt – halt, so kommen wir nicht weiter. Alles hübsch der Reihe nach, Fräulein Tussi. Damals vormittags experimentierte Mendel, wenn ich mich recht besinne, in seinem Zimmer bei Ihrer Frau Mutter mit einem neuartigen Betäubungsmittel, das die Nachteile des Chloroforms vermeiden sollte. Es war ein Sonntag, und mittags gegen zwölf fand dann der Perser Ihren Verlobten bewußtlos vor dem großen Tisch auf. Die Spiritusflamme, über der Ihr Bräutigam in einer Retorte[Anm. 1]

  1. ↑ Die Retorte ist ein Destilliergefäß.