[4] die chemische Mischung, seine Erfindung, erhitzt hatte, brannte noch, die Retorte selbst war in winzige Atome zersplittert. Mendels seltsame Lähmungserscheinungen und Sinnesstörungen trotzten der Kunst unserer medizinischen Autoritäten. Zuerst war der Kranke in der Universitätsklinik, dann in der Privatklinik Professor Hirschs – und jetzt?“
Wieder ein reichlicher Tränenerguß …
„Jetzt,“ schluchzte das kleine verliebte Fräulein, „jetzt befindet Ernst sich seit zwei Tagen bei Doktor Ferdinand Halden, der die Praxis meines Vaters in Alt-Schmargendorf und auch unser Haus übernommen hat.“
„Wie kam Halden dazu, Mendel bei sich aufzunehmen?“
„Aber sie sind doch die dicksten Freunde, Herr Harst … Sagte ich Ihnen das nicht? Sie duzen sich, und ich bin sogar auf diese Freundschaft immer ein wenig eifersüchtig gewesen.“
„Weshalb hat denn Halden den Freund nicht sofort behandelt?“
„Er war verreist …“
„Wollen Sie mir nun einmal die Lage der Zimmer des Persers und des Ihres Verlobten beschreiben, Fräulein Tussi. Kamir Nussra, sagten Sie vorhin, habe die beiden Vorderzimmer inne …“
„Es sind drei Vorderzimmer, Herr Harst. Das mit Flureingang hatte Ernst gemietet. Es grenzte an das des Persers. Die Verbindungstür war durch Schränke verstellt – ist es noch. Ernst hatte das Zimmer durch eine Holzwand auf seine Kosten teilen lassen, so daß sein sogenanntes Laboratorium gleichzeitig sein Schlafzimmer war.“
„Danke, Fräulein Tussi. – Das Zimmer steht jetzt leer?“
„Ja, bis zum 1. Mai, Herr Harst. Mutter hat Ernsts Sachen bereits zu Doktor Halden schaffen lassen. Sie nimmt ihn nicht wieder auf, zumal der Hausverwalter ihr erklärt hat, der Chemiker müsse … raus, das Haus sei keine Fabrik!“
„Offenbar hat also der Perser bei Ihrer Frau Mutter einen Stein im Brett, Fräulein Tussi?“