[5] „Leider … leider! Mama war einst sehr verwöhnt, und sie möchte aus den jetzigen engen Verhältnissen gern heraus. Nussra ist märchenhaft begütert, Herr Harst, und …“
„Und wer wohnt in dem vierten vermieteten Zimmer?“
Tussi lachte etwas spöttisch …
„Der Uhu hat’s, Herr Harst. Das heißt – nur Ernst und ich nennen den alten Rentner Giesebrecht Uhu, weil er wirklich mit seiner schwarzen Hornbrille und dem grauen, ungepflegten Bart und der rot-blauen Geiernase wie ein Uhu ausschaut – wirklich, – und den Kopf trägt er immer ganz schief und eingezogen, und …
„Was treibt der alte Herr denn?“
Tussi hob die Schultern. „Weiß ich nicht … Er ist so mürrisch und wortkarg, daß er mit mir noch keine zehn Worte gesprochen hat. Aber er bezahlt volle Pension, ißt sehr wenig, geht morgens aus, kommt mittags wieder, geht wieder aus, – eigentlich ist er nur zu den Mahlzeiten und zum Schlafen daheim. Sein Zimmerchen hält er selbst in Ordnung. Niemand darf hinein. Er hat ein Patentschloß an der Tür anbringen lassen, und …“
„Wie denken Sie es sich nun eigentlich, Fräulein Tussi, – auf welche Weise soll ich wohl diesem Ihrem gefühlsmäßigen Verdacht nachgehen?!“
„Aber das müssen Sie doch wissen, Herr Harst! – Wenn Sie mir nur glauben wollten: das Ekel, der Nussra, hat bestimmt seine Brillantfinger im Spiel. Es ist ja ein Unsinn, daß die Ärzte annehmen, das neue chemische Gemenge sei explodiert. Doktor Halden hat dazu so merkwürdig gelächelt, und als ich dann gestern so ganz vorsichtig äußerte, ob nicht ein dritter vielleicht … nachgeholfen haben könnte, da schaute Halden mich so überaus ernst an, als ob er mir auf dem Grunde der Seele lesen wollte, und dann hat er zerstreut genickt. Er ist ja überhaupt immer so … so geistesabwesend, wenn er nicht gerade Sprechstunde abhält … Und …“