[6] „Und Sie teilten ihm auch mit, daß Sie mich hinzuziehen wollten, Fräulein Tussi?“
„Nein, nein, – keine Seele ahnt, daß ich jetzt hier bei Ihnen bin, Herr Harst …“
Sie hatte sich erhoben … Mit den flehend emporgereckten Händen und den tränennassen Augen und in all ihrer jugendlichen Lieblichkeit bot sie ein rührendes Bild dar – so rührend, daß mein alter Harald ihr nun warm erwiderte:
„Was in meinen Kräften steht, soll geschehen, Fräulein Tussi … In einem Punkte gebe ich Ihnen recht: durch das bloße Einatmen der vielleicht durch die Explosion der Retorte entstandenen Gase kann Ernst Mendel kaum in diesen sonderbaren Zustand unvollkommener Lähmung geraten sein. Nun – wir werden ja sehen … Gehen Sie getrost heim. Wir begleiten Sie ein Stück.“
Glückliche Jugend. Tussi strahlte schon wieder. –
Und strahlend und vergnügt plappernd schritt sie dann zwischen uns über den Fehrbelliner Platz gen Halensee …
Am Anfang der Joachimstraße verabschiedeten wir uns. Machten kehrt … „Es war niemand hinter uns, mein Alter,“ sagte Harst und rauchte sich eine Zigarette an. „Was hältst du von der Sache?“
„Dasselbe wie du: der Chemiker dürfte wirklich das Opfer eines niederträchtigen Anschlags geworden sein.“
„Ganz recht … Die Asiaten kennen Gifte, die unseren Autoritäten noch fremd sind, und gerade in Persien war die Giftmischerei von jeher zu Hause. – Auto – – halt ..! – Fahren Sie uns nach Alt-Schmargendorf zu Doktor Halden, Nervenarzt …“ –
Dort, wo das unbebaute Gelände des Vorortes Alt-Schmargendorf sich gen Westen bis zu den neuen Villengruppen des durch den Botanischen Garten berühmt gewordenen Nachbarortes[1] Dahlem hinzieht, läuft auch die stille, von Kiefern eingerahmte Lennéstraße entlang, und hier erhebt sich hinter einer hohen Ziegelmauer ein schmuckloses dreistöckiges,
- ↑ Vorlage: Nachbarorte