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Page:Doktor Haldens Patient.djvu/62

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[62] Und allmählich kam ich auf denselben Gedanken, den fraglos auch Harald hatte: Halden hielt sich für gesund und war in Wahrheit irrsinnig!

Harst sprach schon weiter …

„Das Wiederbelebungsexperiment mit Mendel im Bestrahlungsraum war natürlich Bluff …“

„Allerdings … Im übrigen stimmt es aber, daß ich an jenem Sonntag vormittag Mendel in seinem Zimmer bei der Sanitätsrätin eine kräftige Dosis Haldin eingespritzt hatte. Es war eben der Auftakt zu dem Versicherungsbetrug …“

Bisher hatte sich Ernst Mendel mühsam beherrscht. Jetzt brüllte er Halden wütend an …

„Bist du in drei Teufels Namen verrückt, daß du den Schuften die Arbeit so leicht machst, uns an den Galgen zu bringen!“

Halden lächelte ihn daraufhin milde an. „Lieber Mendel, das sind keine Schufte … Wir sind Schufte. Und ich der größte … Ich trage es dir nicht nach, daß du vorhin oben bei der Leiche den Versuch machtest, mich hinterrücks niederzuschlagen, um mit unserem Sündengeld allein entfliehen zu können. Ich kann es dir nicht nachtragen, denn ich hätte dich getötet, wenn Harsts Kugel mich nicht niedergeworfen haben würde. Ich hätte dich ja gern bei diesem meinem Geständnis geschont, aber – – einen Harst belügen?! Zwecklos! Du wirst ja ohnedies billiger wegkommen als ich, denn der Hauptschuldige bin ich, auch der ältere, der Verführer also … – Ja, ja, lieber Mendel, das Sprüchlein von dem Kruge, der so lange zu Wasser geht, bis er bricht, enthält eine tiefe Wahrheit. Wir hätten rechtzeitig daran denken sollen. Wir waren blind und taub in unserer Geldgier, wir waren erbarmungsloser als Tiere … Ich habe meine Opfer gepeinigt, ich habe auch Sie und Ihre Freunde, Herr Harst, die Wirkung des Haldin schmecken lassen wollen … Sie sollten ein paar Tage nur sich selbst sehen … O – – entsetzlich muß das sein, in jeder Person das eigene Ebenbild zu schauen, gleichsam