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Page:Doktor Haldens Patient.djvu/9

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[9] „Was fehlt Ihnen?“

„Ich leide an Wahnvorstellungen …“

„So, so … Das ist nicht schlimm. Mich hat’s böser gepackt. Ich bin Tischlergeselle und vor drei Wochen vom Gerüst gestürzt. Seitdem sehe ich mich immer selbst – nur mich … Komisch, nicht wahr?!“

„Wie meinen Sie das?“ fragte ich bedrückt, denn diese Umgebung begann meine Nerven allgemach zu foltern.

„Wie ich das meine, Herr? – Nun, ich sehe eben auch jetzt, wo ich Sie anschaue, nur mich – mich selbst … Vielleicht sind Sie auch eine Dame … Ich weiß es nicht … Ich kann nur in jeder Person mein eigenes Ich erkennen … – Doktor Halden nennt das …“

Da hüstelte der Uhu vernehmlich, und mein Nachbar duckte sich scheu zusammen, verstummte und ließ den Kopf hängen. –

Ich könnte über diese Wartezeit in Haldens Diele noch mehr Einzelheiten berichten, aber es genügt wohl, wenn ich hier erkläre, daß ich Höllenqualen inmitten diesen Halbverrückten ausstand und froh war, als nach einer Stunde etwa der Uhu zum letzten Male sein gekrächztes „Bitte – der nächste“ ertönen ließ und wir nun an der Reihe waren.

Harst zog mich in Haldens Sprechzimmer hinein – wie ein Opferlamm. Die Tür schloß sich, Halden erhob sich vom Schreibtisch und musterte uns kühl, deutete auf zwei Lehnsessel neben dem Schreibtisch … „Bitte, nehmen Sie Platz.“

Tussi hatte nicht zu viel gesagt: ein eleganter Herr, der Doktor. Blasses, schmales Gesicht und ein Paar milde, klare, blaugraue Augen, – eine Stimme wie ein Cello – fast zu weich.

Harst erwiderte leise, indem er näher an Halden herantrat: „Herr Doktor, wir sind Harst und Schraut … Wir wollten uns bei Ihnen lediglich unauffällig einführen – Mendels wegen. Fräulein Tussi Becker hat mich gebeten,