Morin , 1887, 1888 hat zuerst die wichtige Tatsache nachgewiesen, dass das erste embryonale Abdominalbeinpaar die Lungendecken des erwachsenen Tieres liefert. Nach ihm stülpt sich das Ektoderm hinter diesen Beinen ein; diese Einstülpung wächst unter die Ansatzstelle des Beines und später wird sie zur Lunge der Spinne; das entsprechende Abdominalbein aber verflacht und wandelt sich in das Lungenoperculum um. Im weiteren Entwickelungsverlauf bildet diejenige Wand der ektodermalen Tasche, welche an das zukünftige Operculum angrenzt, eine Reihe von Falten; diese haben ziemlich dicke Wände, in welchen die Kerne reihenweise angeordnet sind. Die Zahl der Falten vergrößert sich, ihre Wände werden dünner und sie erleiden weiter die Umwandlungen, welche Locy beschrieben hat.
Damit war bereits der Zusammenhang der abdominalen Extremitäten und der Lungenanlage zum Teil aufgeklärt worden. Aber Morin hat keine theoretische Auffassungen über die Phylogenese der Lungen auf Grund seiner Untersuchungen aufgestellt und kam, wie es scheint, noch nicht zu der Vorstellung, dass nicht nur das Operculum allein, sondern auch die Lungenblätter nichts anderes als Teile dieser Extremität sind. (Dafür verwerteten Korschelt und Heider 1892, p. 606 diese Angaben von Morin in theoretischer Weise und suchten sie mit der Theorie von MacLeod in Einklang zu bringen.)
Kishinouye , 1891 bestätigte die Angabe von Morin über die Entstehung des Operculum und klärte die Entwickelung der Lunge und die Vorstellung von ihrer Phylogenese noch mehr auf. Nach ihm ist die vordere Wand der ektodermalen, hinter dem Bein entstehenden Einstülpung[1] nichts anderes als die Hinterfläche der Extremität. Diese Wand ist verdickt und bildet die Lungenblätter so wie die Hinterfläche des Limulus-Beines die Kiemenblätter. Das äußere Epithel der Extremität wird zum Operculum der Lunge. Das Bein selbst wird nicht eingestülpt.
Er sagt (p. 69, 70): “In the basal part of the first abdominal appendage of each side arises an ectodermic invagination whose opening faces away from the median line. It is neither deep nor spacious but is a little pocket-like invagination. This is the beginning of the lung-book. The development of this organ, briefly stated, is as follows. Of the wall of the invaginated pocket, that which faces the distal end of the appendage is much thicker than the opposite wall, filling the interior of the appendage. The cells composing it become after a while arranged in parallel rows (figs. 34 u. 47). Each two of these parallel rows adhering together produce
- ↑ Diese Einstülpung entsteht nach ihm eigentlich nicht hinter, sondern in dem basalen Teil der Extremität selbst (s. das unten angeführte Zitat aus Kishinouye ).